Aktuelle News
2010 | 2009 | 2008 | 2007 Specials: SK Rapid Wien | Nationalteam

:: 28.01.2008
Interview mit Markus Katzer auf sportnet.at
Markus Katzer spricht im Trainingslager in Belek mit sportnet.at über seinen überstandenen Kreuzbandriß, Rapid und die Euro 2008.
sportnet.at: Vor einem Jahr saßen wir ebenfalls hier in Belek. Damals hast du nach einem durchwachsenen Jahr wieder den Anschluss gefunden. Fängst du jetzt, nach deinem Kreuzbandriss im September, wieder bei Null an?
Markus Katzer: "Bei so einer Verletzung schaut man einfach, dass man so schnell wie möglich zurückkommt und so spielt, wie man es zuvor gemacht hat. Ich war vor dem Kreuzbandriss in sehr, sehr guter Form. Große Schritte bringen nichts – es muss step by step gehen. Ich bin aber auf einem sehr guten Weg und kann mit dem Ist-Zustand sehr zufrieden sein."
Welche Gedanken hast du jetzt, wenn du den Platz betrittst?
"Ich genieße es. Wenn man immer fit ist und spielt, weiß man es gar nicht zu schätzen, wie wichtig die Gesundheit ist und wie schön es ist, Fußball zu spielen."
Wo siehst du dich am Ende der nur mehr recht kurzen Bundesliga-Saison?
"Ich bin gerade in einer Phase, in der mir noch etwas fehlt, bin noch nicht ganz der Alte. Sicher bin ich auf einem guten Weg und klar habe ich Ziele. Sicher will ich Meister werden und bei der EURO dabei sein, aber das ist mir im Moment fast zu weit weg, auch wenn das alles natürlich unmittelbar vor der Tür steht."
Hattest du während der Reha Kontakt zum ÖFB?
"Ja, der Teamchef hat sich oft erkundigt, wie es mir geht und immer gesagt, dass ich nicht aufgeben soll. Er hat mich nicht abgeschrieben, aber sicher liegt´s an mir. Wenn ich im Frühjahr meine Leistungen bringe, habe ich meine Berechtigung, im Nationalteam zu sein."
Am Tag, an dem du dir den Kreuzbandriss zugezogen hast, hat Josef Hickersberger gemeint, die EURO werde sich für dich nicht mehr ausgehen. Hat dich das geärgert oder hast du dir gedacht: jetzt erst recht?
"Mir wurde das auch nur erzählt, ich habe das weder gehört noch gelesen. Hickersberger selbst hat mich ein paar Tage danach angerufen, mir Mut gemacht und gesagt, dass meine Chance lebt."
Es gibt nicht mehr allzu viele Spiele der Nationalmannschaft bis zur EURO. Nach der Partie gegen Deutschland gibt es noch drei Tests. Läuft uns die Zeit davon?
"Wir hatten genug Zeit, um vieles auszuprobieren und etwas zu ändern. Das ist auch passiert – viele Spieler wurden getestet und jetzt hat sich ein Kern herauskristallisiert, an dem sich nicht mehr so viel ändern wird. Das hat ja der Teamchef selbst gesagt. Man darf nicht zu negativ denken. Wir machen oft vieles schlechter, als es ist. Man sollte mehr Patriot sein und der Mannschaft vertrauen. Wenn ganz Österreich hinter dem Team steht, ist bei der EURO was möglich. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass wir alle drei Gruppenspiele gewinnen können. Sonst würde ich gar nicht mitspielen."
Kommt die EURO für uns nicht zu früh?
"Das liest man öfters, aber für mich hängt vieles vom ersten Spiel ab. Wenn wir da punkten, ist alles möglich. Wir werden beim Turnier sicher besser dastehen, als uns jetzt viele zutrauen."
Themenwechsel: Im Buch Unsere Kicker sagt Emanuel Pogatetz: "Die Öffentlichkeit in Österreich hat ein falsches Bild von unserem Beruf." Stimmst du zu?
(denkt nach) "Da muss ich zustimmen. Es ist schon viel mehr dahinter als die Leute glauben. Man denkt offenbar, wir trainieren 90 Minuten, fahren nach Hause, ruhen uns aus und verdienen viel Geld. Es ist ein schöner Beruf, keine Frage, aber wenn es so einfach wäre, würde es ja jeder machen. Wie viele schaffen es wirklich, nach oben zu kommen? Die Leistungen, die man bringen muss und der Druck, dem man standhalten muss, werden unterschätzt."
"Was die allesamt verdienen und dann spielen sie so einen Schmarrn" hört man ja regelmäßig aus der Raunzerzone, oder?
"Das kommt immer, wenn´s schlecht läuft. Die gleichen Leute klopfen dir aber auf die Schulter, wenn du gewinnst. Davon darf man sich nicht beeinflussen lassen, sonst kannst du ja gleich aufhören. Es wird immer Kritik geben, das ist einfach so."
Also einfach die Scheuklappen aufsetzen?
"Auf jeden Fall. Man darf sich nicht alles so sehr zu Herzen nehmen. Fehler abhaken und sich selbst verbessern. Wenn ich immer der Vergangenheit nachtrauere und höre, wie gut wir in Cordoba waren und wie schlecht wir jetzt sind, dann ist das die falsche Denkweise. Wir müssen aus dem Ist-Zustand das beste herausholen."
In letzter Zeit wurde immer wieder der Spielrhythmus in Österreich angesprochen. Gerade die kurze Sommerpause ist Trainern wie Peter Pacult und Austrias Georg Zellhofer ein Dorn im Auge. Wie ist die Meinung eines unmittelbar Betroffenen?
"Das haben grundsätzlich andere Leute zu entscheiden, der Spieler muss sich dann danach richten. Aber klar, wenn man im Sommer nur ein oder zwei Wochen frei hat, um theoretisch runterzukommen, ist das zu wenig. Da bist du grad beim Regenerieren und steigst aber schon wieder ins Training ein. Es ist nicht ideal, aber wir müssen damit klar kommen. Möglicherweise geht es nicht anders, sonst wäre in diese Richtung wohl schon etwas passiert."
Welche Schlagzeile würdest du im Jahr 2008 am liebsten über dich lesen?
(denkt nach) "'Markus Katzer schießt Rapid zum Meistertitel.' Das wäre nett."
Und zur EURO?
"Markus Katzer schießt Deutschland nach Hause."(lacht)
Gibt es eigentlich etwas, das du für deine Karriere nicht opfern würdest?
"Gesundheit ist das wichtigste, das habe ich durch die beiden schweren Verletzungen gelernt. Ich ordne dem Sport alles unter, aber Gesundheit und Familie sind am wichtigsten. Wenn das passt, kannst du Leistung bringen und im Beruf weiterkommen."
Das Gespräch wurde geführt von Christoph Luke, sportnet.at
Interview auf sportnet.at »








