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:: 26.04.2010
Mecky im sportnet.at - Interview
Gut gelaunt erscheint Markus Katzer Freitagmittag zum Interview im legendären Wiener Café Drechsler. Dort, wo sich Nachtschwärmer normalerweise mit müden Augen das letzte Seidl gönnen, plaudert "Mecky" wie aufgezogen und munter drauflos.
Der 30-Jährige, für den die Saison aufgrund eines Muskelfaserrisses vorbei ist, erzählt dabei über die Gefahren des modernen Fußballs, Fehler in der Nachwuchsarbeit, wohin der Weg des SK Rapid geht - und wo er sich selbst nach seiner aktiven Karriere sieht.
sportnet.at: Diese Woche steigen die Halbfinali in der Champions League. Wer kommt ins Finale?
Markus Katzer: "Hättet Ihr mich vor den Hinspielen gefragt, hätte ich auf Lyon und Barcelona getippt. Lyon stellt seit Jahren immer wieder eine sehr starke Mannschaft, hat es bisher aber nie ins Finale geschafft. Gegen Bayern haben sie zwar verloren, trotzdem glaube ich daran, dass sie ins Endspiel kommen. Barcelona hat heuer bisher die besten Leistungen gebracht, Inter Mailand hat aber alle überrascht. Wobei der Schiedsrichter seinen Teil dazu beigetragen hat, dass die Italiener gewonnen haben."
Wie hast Du das Foul von Franck Ribéry gesehen?
"Das war echt unnötig. Ich glaube nicht, dass er das so wollte. Ich denke, er wollte zum Ball und den Spieler gleich mit verräumen. Ribéry ist aber ein Spieler, der das nicht kann. Das konnte vielleicht Robert Pecl. Ich denke, dass bei Ribéry die Berichterstattung über sein Privatleben sowie ein hartes Tackling von Cris kurz zuvor die Auslöser waren - auch wenn das keine Entschuldigung sein kann. Er hat ihn einfach unglücklich erwischt, das hat mich schon ein bisschen an das Foul an Eddie Gustafsson erinnert."
Gutes Stichwort. Dein Urteil über das Foul von Lukas Kragl am Salzburg-Keeper?
"Wenn du jung bist, gehst du in gewissen Situationen voll rein, wo du das vielleicht gar nicht solltest. Das sind Momente, in denen du einfach nur schlecht aussiehst. Kragl hatte in diesem Augenblick kaum eine Chance, etwas Positives zu gewinnen. Bei einem Pressball geht die Kugel vielleicht mit einer zweiprozentigen Chance ins Tor. Als junger Spieler gehst du eben noch auf so einen Ball. Mit einer gewissen Erfahrung denkst du dir: okay, da bin ich zu weit weg, das geht sich nicht aus. Verletzen wollte er ihn auf keinen Fall. Aber das ist natürlich kein Trost für Eddie."
Sind Fouls dieser Art im modernen Fußball unvermeidbar?
"Der Fußball wird immer schneller und aggressiver. Das sind die unangenehmen Nebenerscheinungen. Es gibt immer mehr Spiele, die Spieler haben immer mehr Kondition. Man muss sich ja nur ansehen, wieviel früher gelaufen wurde und wie es jetzt aussieht. Je schneller es wird, umso schneller kommt man in knifflige Situationen, in denen etwas passieren kann. Niemand will einen anderen verletzen, aber wir fällen in Sekundenbruchteilen Entscheidungen. Da kann so etwas passieren."
Entstehen dadurch Verletzungen wie Deine noch leichter?
"Bei einem Klub wie Rapid hast du fast immer eine Doppelbelastung. Du spielst Meisterschaft, Pokal und mit ein bisschen Glück im Europacup. Wir hatten - mit den beiden Testspielen gegen Schalke und Liverpool - 35 Spiele im Herbst. Das ist praktisch die Anzahl an Meisterschaftsspielen innerhalb von wenigen Monaten. Dazu kommt das harte Training, in dem du voll gefordert wirst. Da entstehen nunmal auch kleinere Verletzungen. International passiert das natürlich auch, nur fällt es da nicht so auf. Iniesta ist einer besten Spieler der Welt. Der spielt derzeit nicht, aber wenn man Barcelona zusieht, merkt man es ja eigentlich kaum."
Wir wollen auch konkret über den Ist-Zustand des österreichischen Fußballs sprechen. Wie beurteilst Du diesen?
"Ich denke, in Österreich wird, obwohl noch viel zu tun ist, mittlerweile gute Arbeit gemacht. Die Transfers, bei denen man sich fragt, warum diese getätigt werden, gibt es nicht mehr in dieser Häufigkeit wie noch vor zehn oder 15 Jahren. Natürlich macht es Sinn, punktuell gute Legionäre zu holen - einen starken Torhüter, Verteidiger oder Stürmer. Die Klubs setzen jetzt aber vermehrt auf österreichische Spieler, wobei man nie vergessen darf, warum. Sturm Graz war finanziell am Ende und war gezwungen, den österreichischen Weg zu gehen. Was haben die gemacht? Sie haben mit den Jungen gespielt. Da hat sich etwas entwickelt und alle haben gesagt: wow, schau dir Sturm an, da schaut man gerne zu, wenn die spielen."
Wo werden die Fehler gemacht?
"Ich denke, es kann nicht sein, dass bei einem Nachwuchsmatch das Ergebnis zählt. Da muss es in erster Linie um den Spaß am Fußball gehen. Dass unsere Jugendauswahlen reihenweise die Mannschafen aus England und Spanien schlagen, interessiert dort niemanden. Die legen keinen Wert auf Ergebnisse bei einer U15, sondern auf gute Ausbildung. Viele Trainer in Nachwuchsmannschaften haben aber den unmittelbaren Erfolg vor Augen. Als ich in der U15 war, mussten wir mit Medizinbällen im Kreis laufen. Jetzt mal ehrlich: wozu?"
Hat sich im Bereich der Jugendausbildung etwas geändert?
"Ja, wobei man immer etwas verbessern kann. Ich kann jetzt nur von Rapid sprechen, wo wir mit "Pro Rapid" ein sehr professionelles Nachwuchsprogramm haben. Da werden wir in absehbarer Zeit die Früchte ernten - davon bin ich überzeugt."
Ist dieser Jugendbereich etwas, in dem Du einmal arbeiten möchtest?
"Ja, absolut. Mit jungen Leuten zu arbeiten, etwas positives bewegen zu wollen, interessiert mich sehr. Es kann nämlich nicht sein, dass deutsche Nachwuchsfußballer besser sein sollen als österreichische. Das gibt es nicht, das geht mir auf die Nerven. Schaut nach Holland. Das ist kein riesiges Land. Aber warum bringen die Spieler wie Robben, Van Nistelrooy und Van der Sar heraus? Weil sie exzellent arbeiten."
Wenn man sich die Bundesliga ansieht, wird Red Bull Salzburg auf lange Sicht nicht schwächer werden. Wie positioniert sich Rapid aus Deiner Sicht?
"Ich selbst gehe in die Saison und will Meister werden. Diesen Anspruch habe ich an mich selbst. Egal, wie viel Geld ein anderer Verein haben wird. Man sieht, dass wir ihnen Paroli bieten können. Du spielst als Rapid nicht in einem Bewerb, wenn du ihn nicht gewinnen willst."
War da vielleicht der Verkauf des 50-Tore-Sturms nicht kontraproduktiv, um das Ziel Meistertitel heuer zu erreichen?
"Natürlich waren Jimmy Hoffer und Stefan Maierhofer zwei enorm wichtige Spieler für uns. Aber andererseits hat Nikica Jelavic so seine Chance erhalten und genützt. Und wer weiß: vielleicht ist er der nächste, der 20 Tore in der Saison schießt, anschließend ins Ausland wechselt und Rapid eine schöne Ablösesumme beschert."
In unserem Forum wurde die Frage gestellt, was ein Fußballer darf und was nicht. Anlass dafür war Andi Dobers nächtlicher Ausflug vor rund einem Monat.
"Ein Fußballer ist ein Mensch und jeder Mensch macht Fehler. Im Endeffekt wurde aus Andis Geschichte viel mehr gemacht als eigentlich dran war. Ich vertraue ihm zu 100 Prozent, wenn er mir sagt, da ist nichts passiert. Natürlich ist diese Situation blöd. Gerade in der heutigen Zeit bleibt der Öffentlichkeit kaum etwas verborgen und man muss wissen, wie man sich verhält. Aber: jeder ist ein Mensch und macht Fehler. Solange das nicht jede Woche passiert, ist es auch kein Problem. Dann würde man aber ohnehin nicht mehr lange in der Bundesliga spielen."
sportnet.at-User Niko hat uns auf twitter eine Frage gestellt, die wir an Dich weitergeben: Was macht einen guten Außenverteidiger aus und siehst Du Dich selbst als solchen?
"Ich verstehe darunter einen Spieler, der Offensivarbeit leistet und Tore auflegt. Ich selbst habe heuer fünf Assists und vier Tore auf dem Konto. Somit denke ich schon, dass ich in dieses Schema reinpasse."
zum Interview auf sportnet.at »
Kommentare
Datum: 27.04.2010 um 16:26:10 Uhr
Von: Roni
Betreff: Du bist ein sehr guter verteidiger!!!
Hi mecky!!! Ich finde du bist ein sehr guter verteidiger!! SK Rapid Wien Forever!! I love Rapid!! l.g Roni
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